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Motivation - Situative Determinanten des Verhaltens - Emotionale Situationsbeurteilung

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Emotion als Ergebnis kognitiver Situationsbeurteilung (S.112 -118 )

Emotionen wurden in der Psychologie lange stiefmütterlich behandelt. Einmal hatte das seinen Grund in der flüchtigen Natur der Emotionen und den damit verbundenen Schwierigkeiten einer objektiven Meßung. Noch entscheidender war aber wohl, daß der Platz den sie theoretisch hätten besetzen können - nämlich als eine organismusnahe Information von vitaler Bedeutung für das Verhalten - bereits durch den Triebbegriff besetzt war.


Emotionsauslösende Situationen (S. 113 )

Nicht jeder Reiz hat sich in der gleichen Weise als wirksam erwiesen, eine bestimmte Emotion auszulösen. Die Wirksamkeit gewisser Reize, sich mit bestimmten Emotionen kondititionieren zu lassen, wird als preparedness bezeichnet.

So läßt sich zum Beispiel Furcht leicht auf Spinnen oder Schlangen konditionieren, obwohl man in vielen Ländern überhaupt keine Gelegenheit hat negative Erfahrungen mit diesen Tieren zu machen.Jones und Jones (1928) haben das Auftreten von Schlangenfurcht bei Vierjährigen beobachtet, ohne daß eine Veranlassung dafür vorgelegen hatte.

Diese Ergebnisse legen die Annahme einer biogenetischen Veranlagerung für bestimmte Furchtauslösende Reize nahe. Für diese Annahme spricht auch eine Untersuchung von Öhman et al (1976) zu Konditionierung von Furchtreaktionen:

Ein leichter elektrischer Schlag wurde zeitlich mit der Darbietung von Abbildungen gekoppelt. Als Abbildung wurde entweder ein phobischer Reiz (Schlang oderSpinne) oder ein neutraler Reiz (Blume oder Pilz) dargeboten.

Zur Konditionierung der Furchreaktion genügte bereits die dreimalige Darbietung eines phobischen Reizes, während neutrale Reize mehrer Durchgänge erforderten. Die phobischen Reize erwiesen sich zudem als löschungsresistenter.


Emotionsspezifität neurovegetativer Reaktionen (S.114 - 115)

William James hat bereits 1884 die Überzeugung geäußert, daß Emotionen im Sinne eines Gefühlserlebnisses auf der Wahrnehmung neurovegetativer Veränderungen im eigenen Organismus beruhen.

Eine neuere Studie von Ekman hat einige denkenswerte Ergebnisse zu dieser Thematik beigetragen.

Ekman, Levenson und Friesen (1983) riefen jede der von Ekman angenommenen Basisemotionen hervor. Also Ärger, Furcht, Trauer, Glück, Überraschung und Ekel.

Dies geschah auf zweierlei Weise :

  • Einmal als angeleitete äußerliche Herstellung einer Gesichtsmimik. Dazu wurde der Vp genau gesagt, welche Gesichtsmuskeln sie zu kontrahieren hatte, bis unter Zuhilfenahme eines Spiegels der emotionstypische Ausdruck entstanden und 10 Sekunden festgehalten worden war.
  • Die zweite Weise war das erneute Durchleben emotionalen Situation. Dazu hatte die Vp sich ein entsprechendes früheres Ereignis zu vergegenwärtigen.

Als abhängige neurovegetative Reaktionen wurden Herzfrequenz, Fingertemperatur, Hautwiderstand und Muskelaktivität des rechten Vorderarms herangezogen.

Bemerkenswert ist, daß schon die äußerliche Herstellung des für eine Emotion universalen Gesichtsausdrucks durch willkürliche Muskelkontraktionen genügt, um die emotionsspezifischen Reaktionesmuster des autonomen Nervensystems tatsächlich auszulösen.

Daraus kann man schließen, daß entweder

  • afferente Rückmeldungen der Gesichtsmuskulatur (facial feedback theory), oder
  • direkte Verbindungen zwischen dem motorischen Cortex und dem Hypothalamus

die Brücken zwischen den beiden Aktionsbereichen des Emotionssystems herstellen.

Im Falle eines Durchlebens einer Emotion tritt das erlebte Gefühl als dritter Bereich des Emotionssystem hinzu.


Schachters Zweifaktorentheorie der Emotionen (S.115 - 116)

Schachters Zweifaktoretheorie der Emotionen (1964) hat sich inzwischen als unhaltbar erwiesen. Da sie die nachfolgende Forschung jedoch stark beeinflußt und angeregt hat sollen die Grundzüge seiner Theorie hier kurz dargestellt werden.

In Analogie zu Hulls Triebtheorie hat nach Schachter das Aktivationsniveau eine allgemeine energetisierende Wirkung. Die kognitive Situationsbeurteilung gibt der erlebten Emotion den Inhalt, Richtung, Tönung. Die Situationsbeurteilung ettiketiert die unspezifische Erregung zur Emotion.

Da Schachter zwischen den beiden Komponenten zudem eine multiplikative Beziehung annimmt spricht er von einer Zweifaktorentheorie der Emotionen.

Insgesamt muß man diese Theorie inzwischen als widerlegt betrachten. * Die Beschreibung seines ebenso interessanten wie ethisch fragwürdigen Experimentes ist auf jeden Fall lesenswert (Heckhausen S116)*



Aktualisiert ( Mittwoch, den 04. November 2009 um 12:34 Uhr )  

nice to know

Der Hawthorne-Effekt beschreibt den Einfluß des Beobachters auf den Beobachteten ausschließlich aufgrund der Tatssache, dass eine Beobachtung stattfindet. Der Effekt  geht auf ein Experiment um 1924 in den Hawthorne-Werken der Western Electric in Cicero/Illinois zurück. Die Forscher wollten wissen, ob verbesserte Lichtverhältnisse die Produktivität steigern können. Anfangs sah es danach aus, doch dann stellte sich heraus: Die Probanden arbeiteten nur besser, weil sie wussten, dass sie beobachtet werden. Der Effekt zeigt zugleich, dass Menschen eine erlernte Ansicht darüber haben, was ihre maximale Leistungskraft anbelangt und dass diese Grenze oft willkürlich gewählt ist. Man darf annehmen, dass die Hawthorne-Arbeiter schon unter Dämmerlicht ihr Bestes gaben. Aber jedes Mal, wenn die Forscher ein Experiment ankündigten, waren sie in der Lage, ihre Schaffenskraft zu steigern.