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Das "Milgram Experiment"
Stanley Milgram, 1933 in New York geboren. Promotion in Sozialwissenschaften an der Harvard
University ; lehrte an der Yale und Harvard University
Fragestellung
Wenn X dem Y aufträgt, Z zu verletzen, unter welchen Bedingungen wird Y den Befehl ausführen ?
Versuchspräsentation
Den Versuchspersonen wurde erklärt, es handle sich um eine Untersuchung über die Auswirkung von Strafe auf das Lernverhalten .
Auswahl der Versuchspersonen
Berufliche Zusammensetzung : 40 % gelernte und ungelernte Arbeiter; 40 % Büroangestellte, Geschäftsleute; 20 % Freiberufliche
Altersstruktur : 20 % von 20-29 Jahren ; 40% von 30-39 Jahre; 40 % über 40 Jahre
Durchführung der Versuche
1.4.1 Variablen der Untersuchung
- a) Nähe zwischen Versuchsperson (VP) und Opfer
- b) Örtlichkeit
- c) Status der Autoritätsperson
Durch die Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten ist eine erschöpfende Versuchsbeschreibung natürlich nicht möglich. Aus diesem Grunde möchten wir hier exemplarisch einen Versuch beschreiben.
1.4.2 Versuchsdatum
Die Versuche wurden 1960 bis 1963 an der Yale University durchgeführt.
1.4.3 Versuchsverfahren
Versuchsraum war ein elegantes Labor in der Yale University. Versuchsleiter ( VL ) spielte ein 31 Jahre alter Biolehrer einer Highschool ( Wirkung auf die VP leidenschaftslos und etwas streng ). Als Opfer war ein 47 Jahre alter Buchhalter ausgebildet worden ( Wirkung auf die VP freundlich und liebenswürdig ). Die Versuchspersonen hatten die Erwartung an einem Experiment zur Steigerung der Gedächtnisleistung durch Bestrafung teilzunehmen. Die Aufgabe des Schülers ( Opfer ) bestand darin, Assoziationspaare zu lernen. Die richtige Antwort sollte er per Knopfdruck mitteilen . Der Lehrer mußte jede falsche Antwort mit einem Stromstoß von 15 bis 450 Volt in 30 Stufen bestrafen, wobei für jede weitere falsche Antwort der Stromstoß um eine Stufe gesteigert wurde. Durch eine fingierte Auslosung wurde die VP als Lehrer bestimmt. Die VP erhielt einen Probeschock von 45 Volt, um sich von der angeblichen Echtheit des Schockgenerators2 zu überzeugen. Der Schüler wurde auf einem Stuhl im Nebenraum festgeschnallt (um evtl. Verletzungen zu vermeiden ) . Um die Vergleichbarkeit der Experimente zu gewährleisten mußten die Reaktionen des Opfers und des VL standardisiert werden.
Standardinstruktionen zur Verabreichung der Schocks:
Schlüsselbefehl : jedesmal, wenn der Schüler eine falsche Antwort gibt, müssen Sie auf dem
Schockgenerator eine Stufe höher gehen.
Standardrückkopplung zum VL:
Um die VP zur Durchführung des Experiments zu veranlassen, wurden folgende
Aufforderungen gebraucht :
- Ansporn 1 : Bitte, fahren Sie fort ! oder Bitte machen Sie weiter !
- Ansporn 2 : Das Experiment erfordert, daß Sie weitermachen !
- Ansporn 3 : Sie müssen unbedingt weitermachen !
- Ansporn 4 : Sie haben keine Wahl, Sie müssen weitermachen !
Die Aufforderungen wurden nacheinander gebraucht; nur wenn die Aufforderung wirkungslos blieb, wurde die nächste eingesetzt. Wenn sich die VP nach Ansporn 4 weigerte, weiterzu-machen, war das Experiment beendet.3
Standardrückkopplung vom Opfer :
Die vom Opfer geäußerten Laute und Worte waren auf Tonband standardisiert und jeweils einer bestimmten Schockstufe zugeordnet.
- bis 75 Volt keine Lautäußerung
- bis 105 Volt leichtes Knurren
- 120 Volt Opfer teilt dem VL mit, daß die Schocks jetzt schmerzhaft würden
- 135 Volt schmerzhaftes Stöhnen
- 150 Volt Opfer fordert, aus dem Experiment entlassen zu werden
- 180 Volt ich kann den Schmerz nicht aushalten !!
- 270 Volt Qualvolles Brüllen
- 300 Volt Opfer brüllt verzweifelt, daß es keine weiteren Antworten mehr geben werde
( Anwortverweigerung wird auf Anweisung des VL als Falschantwort bewertet )
- 315 Volt nach einem qualvollen Schrei fordert das Opfer erneut aus dem Versuch entlassen zu werden.
- ab 330 Volt keine Lebenszeichen mehr !!!
- bis 450 Volt
Bewertungsmaßstäbe
Hauptbewertungsmaßstab war der Höchstschock, den die VP dem Opfer zufügte, ehe sie sich weigerte weiterzumachen. ( 0= völlige Weigerung Schocks zuzufügen bis 30= höchstmögliche Schockstufe )
Erwartungen
Die Vorhersage von Psychologen zum Versuch prognostizierten, daß, abgesehen von einer Randgruppe, praktisch alle VP's den Gehorsam verweigern würden. Sie sagten voraus, daß die meisten VP nicht über die 10. Schockstufe hinausgehen würden ( 150 Volt, erster Protest des Opfers ), etwa 4 % der VP's sollten die 20. Schockstufe ( 300 Volt ) erreichen, und nur 1 %0 würde den höchsten Schock anwenden.
Ergebnisse des Versuchs
Schockstufe in Volt
|
-120 |
135 |
150 |
165 |
180 |
-270 |
285 |
300 |
315 |
330 |
345 |
360 |
-435 |
450 |
Anzahl der Abbrüche
|
0 |
1 |
5 |
1 |
1 |
0 |
1 |
1 |
3 |
0 |
1 |
1 |
0 |
25 |
- n = 40 ;
- durchschnittliche Maximalschockstufe = 24.53 ( entspricht 368 Volt ) ;
- gehorsame VP's = 25 entspricht 62,5 % der VP's






