Varianten
1.7.1 Nähe des Opfers
- Exp. 1 Fernraum : keine Rückkopplung zwischen Opfer und VP
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 27.0 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 65.0 %
- Exp. 2 akustische Rückkopplung : wie 1.6 beschrieben
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 24.53 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 62.5 %
- Exp. 3 Raumnähe : VP und Opfer im selben Raum
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 20.80 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 40.0 %
- Exp. 4 Berührungsnähe : VP muß die Hand des Opfers auf einer Schockplatte justieren
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 17.88 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 30.0 %
1.7.2 Örtlichkeit
- Exp. 5 neue Operationslinie : Versuch im Kellerlabor der Uni / Opfer deutet Herzfehler an
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 24.55 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 65.0 %
- Exp. 10 Bürohaus : Versuch als Forschungsauftrag einer Privatfirma
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 20.95 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 47.5 %
1.7.3 Die Autoritätsperson
-
- Exp. 6 Personalwechsel : unterschiedliche. Charakteristika der VL
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 22.20 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 50.0 %
- Exp. 7 Nähe der Autorität : VL verläßt nach Instruktionen das Labor / Anordnungen über Telefon
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 18.15 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 20.5 %
- Exp. 13 Befehle durch gewöhnl. Menschen : ein weiterer Lehrer übernimmt das Kommando
n=20 durchschnittl. Maximalschockstufe = 16.25 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 20.0 %
- Exp. 13 a VP als Zuschauer : nach Abbruch bei 13 erteilt der zweite Lehrer die Schocks
n=16 durchschnittl. Maximalschockstufe = 24.9 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 68.8 %
- Exp. 14 Autorität als Opfer : der VL stellt sich als Schüler zur Verfügung4
n=20 durchschnittl. Maximalschockstufe = 10.0 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 0 %
- Exp. 15 Widersprüchliche Befehle : zwei VL , einer für Abbruch einer für weitermachen5
n=20 durchschnittl. Maximalschockstufe = 10.0 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 0 %
- Exp. 16 Zwei VL , einer davon Opfer : von zwei VL's stellt sich einer als VP zur Verfügung6
n=20 durchschnittl. Maximalschockstufe = 23.5 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 65.0 %
1.7.4 Frauen als VP
- Exp. 8 Frauen als VP8
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 24.55 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 65.0 %
1.7.5 sonstige Varianten
- Exp. 09 Vorbedingung des Opfers :VP stellt Bedingung, wegen Herzfehler abbrechen zu dürfen.
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 21.40 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 40.0 %
- Exp. 11 VP wählt die Schockstufe selbst : VP bestimmt die Höhe des Schocks
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 5.50 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 2.5 %
- Exp. 12 Schüler bittet um Schocks : VL will abbrechen, Opfer will weitermachen9
n=20 durchschnittl. Maximalschockstufe = 10.0 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 0 %
- Exp. 17 Zwei Gleichrangige lehnen sich auf : von 3 "Lehrern"10 brechen 2 das Exp. ab
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 16.45 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 10.0 %
- Exp. 18 Ein Gleichrangiger gibt Schocks : VP hat nur Hilfsfunktionen - Zuschauerrolle11
n=40 durchschnittl. Maximalschockstufe = 28.65 Prozentsatz der gehorsamen VP's = 92.5 %
Gehorsam und Verantwortung
Wieviel Verantwortung trägt jeder von uns dafür, daß dieser Mann gegen seinen Willen Elektroschocks erhielt ?
Nach Versuchsende wurden die VP's aufgefordert, die Verantwortlichkeit der Teilnehmer (Versuchsleiter , Versuchsperson & Schüler) zu beurteilen.
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n |
Verantwortung Versuchsleiter |
Verantwortung Versuchsperson |
Verantwortung Schüler |
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ungehorsame VP's |
61 |
38.0 % |
48.4 % |
12.8 % |
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gehorsame VP's |
57 |
38.4 % |
36.3 % |
25.3 % |
Ethische Fragen zum Experiment
Bei den Berufspsychologen trat eine gewisse Polarisierung auf. Das Experiment wurde sowohl hoch gepriesen als auch scharf kritisiert. Hauptangriffspunkt war die Besorgnis um das Wohlbefinden der Versuchspersonen. Zweifelsohne waren die Versuchspersonen im Experiment einem enormen Streß ausgesetzt.12 Im Verlauf der Versuche ergab sich jedoch kein Hinweis auf schädliche Folgen.13Wichtigstes Kriterium bei der ethischen Beurteilung sind aber wohl die Rückmeldungen der VP's.
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Nachdem ich den Bericht14 gelesen und alles erwogen habe ... |
Ungehorsame |
Gehorsame |
Alle |
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1. bin ich sehr froh, an dem Experiment teilgenommen zu haben |
40.0 % |
47.8 % |
43.5 % |
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2. bin ich froh, an dem Experiment teilgenommen zu haben |
43.8 % |
35.7 % |
40.2 % |
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3. bin ich weder froh, noch tut es mir leid, an dem Experiment teilgenommen zu haben |
0.0 % |
1.0 % |
0.5 % |
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4. tut es mir leid, an dem Experiment teilgenommen zu haben |
0.8 % |
0.7 % |
0.8 % |
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5.tut es mir sehr leid, an dem Experiment teilgenommen zu haben |
15.3 % |
14.8 % |
15.1 % |
Ferner waren 80 % der VP's der Ansicht, daß weitere derartige Versuche durchgeführt werden sollten und 74 % gaben an, sie hätten durch die Untersuchung etwas für sie persönlich Wichtiges gelernt. Das Experiment wurde auch mit der Begründung kritisiert15, daß es leicht eine Veränderung in der ... Fähigkeit der Versuchspersonen bewirken könnte, künftig erwachsenen Autoritätspersonen zu vertrauen... Milgram meint dazu : Ich würde es als höchst wertvoll halten, wenn die Teilnahme an dem Experiment tatsächlich Skepsis gegen derartige Autorität begründen könnte.
Warum Gehorsam?- Versuch einer Analyse
1.10.1 Ein Gehorsamsinstinkt?
Der Mensch ist kein Einzelwesen, sondern funktioniert innerhalb hierarchischer Strukturen. Die Bildung von hierarchisch organisierten Gruppen bietet enorme Vorteile im Kampf gegen unterschiedlichste Gefahren. In dieser Perspektive zeigt sich eine evolutionäre Tendenz ; Gehorsam wurde in der Abfolge von Generationen als vorteilhaftes Überlebenskonzept weitergegeben. Diese Vorteile sozialer Organisation wirken nicht nur nach außen, sondern auch innerhalb der Gruppe. Durch eindeutige Statusbestimmung der Gruppenmitglieder werden die Reibungen zwischen den Mitgliedern auf ein Minimum reduziert und somit eine innere Harmonie gesichert. Gehorsamsverhalten ist nun aber viel zu komplex, um es ausschließlich als Instinktverhalten zu erklären. Um die Ursachen von Gehorsam zu verstehen, müssen wir vielmehr die Wechselwirkungen zwischen angeborenen Strukturen und sozialen Einflüssen betrachten.
1.10.2 Sozialer Einfluß
Eine erschöpfende Betrachtung dieses Punktes bedarf wohl eines separaten Referats, darum wollen wir uns hier auf einige Denkanstöße beschränken. Den ersten Prinzipien des Gehorsams begegnen wir in der Familie. So wird der Gehorsam eines Kindes in unserer westlichen Kultur als einer der Maßstäbe für den Erfolg einer Erziehung betrachtet. Weitere Strukturen des Gehorsams begegnen uns überall dort, wo Menschen auf die eine oder andere Art hierarchisch organisiert sind. ( Schule, Vereine, Kirchen, Militär, Berufsleben, Straßenverkehr ).
Im gesamten Verlauf der Konfrontation mit Autoritäten trifft das Individuum ständig auf eine Belohnungsstruktur, in der Nachgiebigkeit gegen die Autorität im allgemeinen belohnt wird, während die Verweigerung in den meisten Fällen bestraft wird. Obgleich es viele Arten der Belohnung gibt, ist die Beförderung die wirksamste. Diese Art der Belohnung enthält nicht nur eine tiefe emotionale Befriedigung des Menschen, sie sichert auch gleichzeitig die Kontinuität der hierarchischen Form. Das Resultat dieser Erfahrung ist die Verinnerlichung der bestehenden Gesellschaftsordnung.