Arbeitslosigkeit

Die Definition von Arbeitslosigkeit hat gemäß der ILO (International Labour Organisation) drei Bestandteile bzw. Voraussetzungen:

1. currently without work (zur Zeit ohne Arbeit)

2. currently available for work (zur zeit zur Arbeit verfügbar)

3. seeking work (auf der Suche nach Arbeit)

Daraus ergibt sich, dass bspw. eine Studentin oder eine Hausfrau nicht als arbeitslos gelten, da sie die dritte Voraussetzung nicht erfüllen. Die Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland in den letzten 70 Jahren fasst die Bundesagentur für Arbeit zusammen:

 

Aus psychologischer Sicht es es interessant, die Bedeutung von Arbeitslosigkeit für das Individuum zu begutachten. Die bekannteste Studie dazu wurde von Jahoda (1933) durchgeführt und trägt den Namen „die Arbeitslosen von Marienthal“. Marienthal war ein Fabrikdorf bei Wien, in dem 1926 die Belegschaft auf die Hälfte herabgesetzt wurde. Von circa 3000 Einwohnern waren plötzlich 1500 (in circa 500 Familien) ohne Beschäftigung.

Folgende Forschungsmethoden wurden angewendet:

 

Einzelne Ergebnisse

Gehgeschwindigkeit

Bei dieser verdeckten Beobachtung wurden von einem „verborgenen Fensterplatz aus“ 300m der Straße beobachtet und die Anzahl der Gehpausen sowie die Gehgeschwindigkeit notiert. Dabei fällt auf, dass Männer wesentlich mehr Gehpausen machen als Frauen. Weiterhin laufen sie viel langsamer. Insbesondere die Männer waren dabei arbeitslos geworden. Die Arbeitslosigkeit hatte also einen Effekt auf die Gehgeschwindigkeit. Dies wird so interpretiert, dass die Männer ihre Zeit totschlagen müssen, während die Frauen noch sinnvolle Tätigkeiten zu erledigen haben. Der Zeitrhythmus ging für die Männer verloren und das Nichtstun beherrschte ihren Alltag.

Schulaufsätze

Mittels eines Schulaufsatzes wurde bspw. ermittelt, was sich die Kinder von Marienthal sowie Kinder aus Orten der Umgebung zu Weihnachten wünschten. Die Kinder aus Marienthal waren dabei viel bescheidener: Die Kosten einer Wunscherfüllung betrug 12 Schilling im Vergleich zu 36 Schilling in den Orten ihrer Umgebung.

Haltungstypen

Jahoda und ihr Team erkannten 4 Handlungstypen, wobei diese von den meisten Betroffenen der Reihe nach durchlaufen werden.

 

  • Die Ungebrochenen (16 %): Hoffnung auf Zukunft, große Sorgfalt in Haushaltsführung
  • Die Resignierten (48 %): erwartungslose Grundhaltung, Ordnung in der Haushaltsführung
  • Die Verzweifelten (11 %): Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, Gefühl der Vergeblichkeit der Bemühungen und dadurch keine Versuche zur Verbesserung der Situation
  • Die Apathischen (25 %): Aufgabe des geordneten Haushalts, Planlosigkeit, Streit, Betteln und Stehlen

 

Dabei fand sich ein absteigender Unterschied im „Einkommen“ (Verbrauchseinheiten / Monat) in diesen Familien.

 

Folgen von Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit kann positive Kurzzeitfolgen haben:

 

  • Der Gesundsheitzustand kann sich verbessern, wenn vorher starke Arbeitsbelastungen herrschten.
  • Ein Entlastungseffekt (Mohr, 2001) kann auftreten bei geringen finanziellen Belastungen, unbefriedigenden Arbeitsbedingungen vor der AL sowie einer verfügbaren Alternativrolle (z. B. Elternteil...)

 

 

Langzeitfolgen der Arbeitslosigkeit

 

  • Psychisches Unwohlsein (u. a. geringes Selbstwertgefühl)
  • Psychosomatische Symptome (u. a. Alkoholismus)
  • Vermehrte Neuaufnahmen in der Psychiatrie
  • Erhöhte Sterblichkeit (Herzversagen, Suizid (Kasl et al. 1998)
  • Ungünstigeres Gesundheitsverhalten hinsichtlich z. B. Rauchen, Sport, Gesundheitsvorsorge...
  • Soziale Isolation (Schrumpfung des sozialen Lebensraumes)